Kommentar

Pizza in Pjöngjang (ZEIT 22.03.2009)

Nordkorea ist immer für eine bizarre Schlagzeile gut. Jetzt geistert die Meldung durch die Zeitungen, in der Hauptstadt Pjöngjang sei auf Geheiß des “lieben Führers” Kim Jong Il ein Pizza-Restaurant eröffnet worden.  Gemeldet hatte das die japanische Zeitung “Choson Sinbo”, und die sarkastische Verwertung solch lustiger Meldungen (Pizza-Paradies im Hungerland…) ist immer ein gefundenes Fressen für uns Journalisten.

Als ich letztes Jahr zum internationalen Filmfestival nach Pjöngjang reiste, fand ich derartige Widersprüche en masse: Ein erfolgreiches Trickfilmstudio mit modernster Computerausrüstung, das für französische, englische und sogar amerikanische Firmen produziert. Ein schickes Vorzeigerestaurant, in dem die weltberühmten kalten Nudeln serviert werden (vor dem Eingang steht die schwarze Limousine eines Militär-Bonzen). Karaoke-Bars, eine amerikanische Bowling-Alley usw. Dass nur die wenigsten daran teilhaben können – schon wer in Pjöngjang wohnt, ist privilegiert – versteht sich natürlich ebenso wie der Umstand, dass vieles inszeniert, vieles Fassade ist an dieser schönen Welt, die man den westlichen Besuchern präsentiert.

Und doch ist die Wirklichkeit komplizierter, als die lustigen Geschichten vom “verrückten Diktator mit der Bombe” ahnen lassen. Kim Jong Il ist eher ein Künstlertyp als ein Staatsmann, glaubt sogar der südkoreanische Geheimdienst. Um das nordkoreanische System zu verstehen, bin ich in die Kinos und das große Filmstudio vor den Toren der Stadt gegangen, habe mit Schauspielerinnen und Regisseuren gesprochen und darüber eine Reportage im ZEIT-Magazin geschrieben.